Buch des Monats Januar
“Über den Dächern von Jerusalem” ist ein Roman von Anja Reumschüssel, der die Schicksale von vier jungen Menschen erzählt, deren Leben durch den israelisch-palästinensischen Konflikt geprägt sind. 1947/48 begegnen sich die deutsche Jüdin Tessa und der palästinensische Muslim Mohammed in Jerusalem. Sie freunden sich an, doch in den Kämpfen nach der Staatsgründung Israels trennen sich ihre Wege. 75 Jahre später, im Jahr 2023, lernen sich die israelische Soldatin Anat und der Palästinenserjunge Karim kennen, während sie sich im Einsatz im Westjordanland befindet.
Der Roman erzählt auf zwei Zeitebenen von Begegnungen zwischen jugendlichen palästinensischen Muslimen und israelischen Jüdinnen aus den wechselnden Perspektiven der Hauptfiguren. Tessa, die gerade erst den Holocaust überlebt hat, ist in das britische Mandatsgebiet Palästina zu ihrem Vater gereist ist, welcher einer zionistischen Organisation angehört und für den neugegründeten Staat Israel kämpft. Der Palästinenser Mo lebt in Jerusalem und hat seinen Vater bei einem jüdischen Attentat auf das „King David“ Hotel verloren. Als die Kämpfe zwischen Palästinensern und dem neugegründeten jüdischen Staat ausbrechen, muss Mo aus Jerusalem fliehen und mit seiner Familie bei Verwandten Schutz suchen. Er bringt Tessa als Zeichen ihrer Freundschaft Essen in die umkämpften jüdischen Viertel von Jerusalem. Sie führen Dialoge und erzählen von ihren Erfahrungen während diesem Konflikt zwischen 1946 und 1948. Nachdem sich die beiden in einem improvisierten Krankenhaus, in dem Tessa als Krankenschwester arbeitet, um Verwundete zu versorgen, ein letztes Mal treffen, verlieren sie sich aus den Augen.
Die zweite Zeitebene in der Gegenwart beginnt im Westjordanland, wo der junge Palästinenser Karim einer israelischen verirrten Soldatin hilft.
Wenige Tage später, als er bei einer Demonstration gegen die israelische Besatzung im Westjordanland festgenommen wird, holt Anat, die israelische Soldatin ihn mithilfe ihrer Mutter, welche beim Militär einen hohen Rang hat, aus dem Gefängnis. Sie halten nach diesen beiden Vorfällen den Kontakt und erkennen, dass sich ihre Großeltern, Tessa und Mo vor 75 Jahren ebenfalls durch einen Zufall kennengelernt haben.
Während der Dialoge erfährt man viel über die historischen Hintergründe des Konflikts.
Der Roman bietet unterschiedliche Perspektiven persönlicher Schicksale auf den Nahostkonflikt und kann dazu beitragen, den komplexen Konflikt zu verstehen. Die Gründe für den Hass auf beiden Seiten werden somit klar und man begreift, dass nur die Offenheit für den Dialog und der Wille zu gegenseitigem Verständnis einen nachhaltigen Frieden ermöglichen. Während der Dialoge erfährt man viel über die historischen Hintergründe des Konflikts.
